Aufgeblättert

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 22/05 vom 01.06.2005

Politisch ambitionierte Lyrik ist out. Dafür haben Scherzgedichte Konjunktur. Zum Beispiel von Wiglaf Droste, dem Berliner Anarcho-Kolumnisten und -Provokateur, der mit seinen fast 45 Jahren immer milder polemisiert und im Gegenzug immer dreistere lyrische Scherze um nichts treibt. "Nutzt gar nichts, es ist Liebe", heißt seine neue Guten-Morgen-Fibel, deren Highlights an Heinz Erhard, den Zenit der Albernheit, heranreichen. Auf dem Klo deponiert - und der Tag ist dein Freund. "Faulsein kostet reichlich Kraft: / Man liegt da und ist geschafft", stöhnt es aus den viel zu kurzen 160 Seiten. "Man liegt da und denkt verpennt: / Puuh, ist Faulsein anstrengend". Soll man lamentieren, dass verschmitzter Witz-um-des-Witzes-Willen doch mit Fernsehen, Comic und Kabarett schon genug Medien hat und nicht auch noch das Lyrikbiotop überwuchern darf? Oder soll man sich dem Zauber kindlicher Wortklauberei ergeben und sich dabei zehn Jahre alt fühlen - unbekümmert und konventionsfrei?

Die Erinnerungen,


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