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Schirm auf, Schirm zu!

Stadtleben | K. N. | aus FALTER 22/05 vom 01.06.2005

Als einer, der sich soeben einen absoluten Anfängersonnenbrand geholt hat, weiß ich sehr gut, wozu Sonnenschirme da sind. Sonnenschirme sind überaus nützliche Gerätschaften, die im Falle akuten Sonnenschutzbedürfnisses aufgespannt und bei Nichtbedarf wieder zusammengeklappt werden. Sonnenschirme gehören zu den Gastgärten wie der Kies oder das Krügerl. Was dort einen weit weniger schlanken Fuß macht, ist die Beschirmungsanlage. Sie wird zu Beginn der Saison vom Beschirmungsanlagenbedienungspersonal hochgefahren und zu Saisonende wieder abgeschaltet. Dazwischen spendet sie Schatten und schlechte Laune. Selbstermächtigtes Schirmabspannen seitens des Gastes gibt es nicht mehr. Jeder hat sich dem Regime dieses technologisch hochgerüsteten Schirmkommunismus zu unterwerfen - ob die Sonne scheint oder nicht. Man hockt unter einer Glocke aus kollektivem Schwitzen und Lärmen und muss auf das Zweitbeste verzichten, was Gastgärten bieten: den Blick nach oben. Statt Blattwerk und Himmel sieht man: eine riesige Beschirmungsanlage. Kommunismus ist doof!


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