PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Die Tätigkeit namens "glauben"

Stadtleben | aus FALTER 22/05 vom 01.06.2005

... Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch nur durch Glauben gerecht wird ...

Röm 3,21-25a.28 (2. Lesung am 9. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres A)

Stellen Sie sich einmal vor, eine Person käme ins Land, hätte ein Vermögen ausgegeben, von der ganzen Familie gesammelt. Und stünde dann vor dem österreichischen Bluthundpersonal, das für das in Panik lebende Volk voll Sorge wacht, damit nur ja niemand reinkäme, und sagte ihnen unverblümt ins trostlose Auge: Als Wohlstandsflüchtling bin ich quer über die Welt mit den behutsamen Schleppern geflohen, um in ihrem werbefernsehdurchwirkten Land Asyl zu begehren. Da ich, Phettberg, schon einmal auf einem Amt gewesen bin, weiß ich um den übergroßen Sanftmut der dort angestellten Persönlichkeiten und zittere den Rest meines Lebens und verstecke mich, will niemand mehr sehen im Leben, vor allem keinen österreichischen Eingeborenen mehr. Also kann ich mir den Gesichtsausdruck des beamteten Personals der Republik der Sieger der Einfühlsamkeit - Österreich - vorstellen, wie sie dieser Asylansuchung gegenüberstünden.

Das Erscheinen so eines Wohlstandsflüchtenden würde noch zur Jause der Innenministerin und deren herzerfrischendem Gatten erzählt, und die fielen sich noch am selben Nachmittag versöhnt um den Hals, kriegten den finalen Lachanfall und herzten sich und wischten sich die Tränen von den Augen, so zärtlich, weil sie noch nie so viel lachten.

Es dürfte dies die eigentliche Funktion des Christentums sein: der Tätigkeit des Glaubens sich hinzugeben. Das hat nichts damit zu tun, als wenn es eine Gottheit gäbe, diese also real existierte. Daran glaubt in Wirklichkeit niemand, sondern es ist eine Art Generalverschwörung des Edlen, es wird geheim gehalten wie das Arschauswischen, das ja allen, die fein angezogen sind und die unterwegs scheißen müssen, ein großes Problem darstellt. Aber es wird darüber nicht geredet. Alle gehen nachher in ihre Stübchen und wischen und putzen und schrubben ihr Loch wie besessen. Halten aber alles geheim.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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