VOM GRILL

Blütenkundiger

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 23/05 vom 08.06.2005

Neulich zahlte an der Kassa einer Billa-Filiale ein ziemlich verdächtig aussehender Kerl mit einem ziemlich verdächtig aussehenden Schein. Der Schein war ein Hunderter, der Kerl war ich. Die Kassierin beschaute, begrapschte, beschnupperte ihn nervös, den Schein, drehte ihn hin, drehte ihn her, zog eine Kollegin zurate und akzeptierte ihn schließlich. Mit Schweißperlen blanker Angst auf der Stirn.

  Wäre der Hunderter eine Blüte - wie man das Falschgeld euphemistisch nennt -, dann müsste die Kassierin persönlich dafür geradestehn und für den Schaden mit einem Hunderter aus eigener Tasche aufkommen. Und dies Papier dürfte nicht der Heimarbeit einer freischaffenden und kreativen Ich-AG entsprungen sein.

  Die stinkreichen Konzernbosse, die von ihren kleinen und erbärmlich bezahlten Angestellten derart Schamloses fordern, stellen weder eine Blütenidentifikationsmaschine an der Kassa auf, noch finanzieren sie den Kassierinnen mehrwöchige Seminare mit etwa folgendem Programm: Vormittags Konzentrationsübungen am Strand, nach dem Mittagsmahl Blütenkunde, abends Blasmusik.

  So blieb mir, dem ziemlich verdächtig aussehenden Kerl, nichts anderes übrig, als in der Filiale lauthals einen durchsetzungsfähigen Betriebsrat zu fordern und den starken Arm der Gewerkschaft: Schutz für die da unten und Ohrfeigen für die da oben.


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