VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 23/05 vom 08.06.2005

Ich weiß, ich weiß, es ist der 20-Jahres-Rhythmus, der dieses gefühl des Immergleichen hochspült. Zum Beispiel Hans-Peter Martin. Heute treffen wir ihn vor Gericht, er klagt uns, und wenn es sein muss, seine Sekretärin, wenn die uns einen Leserbrief schreibt. Damals war er noch mit Kurt Langbein und Hans Weiß in einem Team und veröffentlichte im Falter die Zusammenfassung einer Serie, die zuerst in der Kronen Zeitung erschienen war. "Tägliches Gift", so hieß der Titel, war ein Ratgeber für den "alltäglichen Umgang mit Chemikalien". Es ging um "Putzmittel, Waschmittel, Kosmetika, Autopflege, Insektengifte, Holzschutzmittel, Farben und Lacke, Sonnenschutzmittel und Schädlingsbekämpfung, und das Wohngift Formaldehyd werden behandelt." Naturgemäß herrschte bereits Aufregung: "Landwirtschaftschaftsminister Haiden hat aufgrund der in dieser Broschüre erhobenen Vorwürfe 39 Anzeigen erstattet. Familienministerin Fröhlich-Sandner (Konsumentenschutz) zeigte sich besorgt über die Tatsache, dass Gift in Supermärkten frei erhältlich ist."

  Diese Ankündigung hatten wir in 7-Punkt-Schrift in einer Ecke auf der Leserbriefseite versteckt. Jede Mitteilung in der heutigen Falter-Rubrik "Liebe Leserin, lieber Leser" ist dagegen geradezu ein Schulbeispiel schamloser Selbstvermarktung. Auch Peter Sichrovsky, ursprünglich der vierte im Erfolgsteam des Bestsellers "Bittere Pillen", war im Blatt vertreten. Allerdings nur mit einer Anzeige des Kiepenheuer & Witsch Verlags, der für sein Buch "Wir wissen nicht, was morgen wird, wir wissen wohl, was gestern war" warb. Auch wir wissen heute mehr. A. T.


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