Der große Schock

RAIMUND LÖW | Vorwort | aus FALTER 23/05 vom 08.06.2005

AUSLAND Wie tot ist Europa? Wo bleibt die Zivilgesellschaft? Was vermögen Politiker noch, außer Gelassenheit zu demonstrieren? 

Fröhlich lachend marschieren sie dem Untergang entgegen, wundert sich ein amerikanischer Beobachter beim Blick auf das in seinen Grundfesten erschütterte Europa. Noch vor kurzem, da erschien Europa als ein Pol überlegener Vernunft angesichts der von so vielen irrationalen Ängsten geplagten amerikanischen Supermacht. Jetzt dagegen brechen auf dem Alten Kontinent die Dämme. Eine Welle der Anti-EU-Euphorie droht nach dem doppelten Debakel in Frankreich und Holland dem Traum von einem geeinten Kontinent ein Ende zu bereiten. Die Erklärung für die Krise ist leichter zu finden als ein Ausweg. Anhaltende Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Verunsicherung haben zu einer rebellischen Grundstimmung in weiten Bevölkerungsschichten geführt. Die EU war stets ein Projekt genau jener Eliten, gegen die sich der Protest jetzt richtet. Das macht unweigerlich "Brüssel"

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