WELT IM ZITAT

Kultur | aus FALTER 23/05 vom 08.06.2005

Brüllend heiß

Zum Wochenende geriet die Causa ins Sieden: Autor Robert Menasse hatte Burgtheaterdirektor Klaus Bachler, den "gottverdammten Lügner", im News-Interview zum ebenso vorzeitigen wie augenblicklichen Abgang an die Münchner Oper aufgefordert. Bachler brüllte zurück: Menasse sei "durchgedreht" und wolle ihn des Landes verweisen. Der Anlass des Zerwürfnisses war zum ersten Mal vor vier Monaten in News nachzulesen.

Bachler will das bestellte Menasse-Stück nicht spielen. News berichtet und berichtigt.

Schasaugert

Wer "Das Paradies der Ungeliebten" für die kabarettistische Aufarbeitung der schwarz-blauen Machtübernahme anno 2000 hält, hat ein Problem im zweistelligen Dioptrienbereich. Gewiss: Es geht um einen dekadenten roten Kanzler und seinen Spin-Doctor; um einen schwarzen Vizekanzler und seine Beraterin, die später vermutlich Außenministerin wird; um einen rechtsradikalen Leder-Feschak, dem das Volk in Rudeln zuläuft (...); um einen Schauspieler, der Kunstminister wird ...

Also doch eine "kabarettistische Aufarbeitung der schwarz-blauen Machtübernahme anno 2000?"!!

Visionär

Zu Zeiten der kollabierenden deutschen Regierung, der erstarkenden Nazis und der europäischen Demokratiekrise ist "Das Paradies der Ungeliebten" ein Werk von visionärer Gewalt, mit prachtvollen Figuren und einer an Karl Kraus erinnernden Dramaturgie. Es nimmt an den heimischen Zwergen Maß, um eine riesenhafte Katastrophe von Shakespear'schen Ausmaßen zu exemplifizieren.

Von News gelobt zu werden muss sogar Robert Menasse wehtun.

Maden, entlarvt und gesprengt

Schläfer sind Maden im Speck, bis sie (z.B.) als Bomben aktiviert ihren Wirt in die Luft sprengen. Deswegen setzt der Speck seine Agenten ein, solche Maden frühzeitig zu entlarven und unschädlich zu machen.

Rudolf John über "Schläfer".


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