SPIELPLAN

Kultur | PETER FUCHS | aus FALTER 23/05 vom 08.06.2005

Alle tragen schwarze Rollkragenpullis: Die Gruppe 80 gibt Sartres "Nekrassow" (bis 15.6.). Kalter Krieg und antikommunistische Hysterie sind in der heißen Phase. Chic ist es, auf einer Todesliste zu stehen, sollte die Rote Armee Frankreich besetzen. Sonst gilt man nicht als rechter Patriot. Die Liste ist aber Erfindung eines Betrügers, der sich als geflohener sowjetischer Minister Nekrassow ausgibt. Der Hochstapler kommt zu Macht und Geld, indem er sein Wissen einer Zeitung verkauft, die so ihre Auflage steigert. Der Betrug wird zwar an oberster Stelle erkannt, aber findig benutzt, um unliebsame Journalisten zu eliminieren. Die Inszenierung zeigt Sartres Denkmodell über Scheinheiligkeit und kapitalistische Profitgier mit einem spielfreudigen Ensemble ordnungsgemäß als überdrehte Farce. Den Staub auf dem fünfzig Jahre alten Stück rührt sie jedoch nicht an. So bleibt dieser Nekrassow eine ungeputzte Nippesfigur. Nur Michael Aichhorn poliert seinen subalternen Schreiberling zu schaurig-biederem


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