AUFGEBLÄTTERT

Kultur | KATRIN SCHUSTER | aus FALTER 23/05 vom 08.06.2005

Balkone vorne, Berge hinten, Kirchturm in der Mitte - so sieht es aus, das perfekte Dorf. Zwei junge Autorinnen kratzen in ihren Debüts an der Fassade dieser nur auf Postkarten heilen Welt. Es regnet viel, in beiden Büchern; und flach ist das Land. "Am Sonntag will Gott zu Atem kommen" nennt sich der Roman von Sünje Lewejohann. Ein psychotischer Text: Munk, das Dorf, wispert und zischt, lästert und spuckt. Nur wenige gehören nicht zu den "schiefen Mündern" dieses Dorfleibes, der sich an Asta vergreift, dem "Glasfräulein", dessen Knochen so leicht brechen. Manchmal knackt es auch hinter Astas Schädeldecke. "In Astas Fingern ist eine Kälte, es zuckt darin." Die körperliche Entfremdung, das Dorf in Astas Kopf, gibt dem Roman seine ästhetischen Regeln vor, was diesem aber gar nicht gut tut: In den einfach gebauten Sätzen sprießen zahlreiche als naiv getarnte Metaphernmonströsitäten und ähnlich ätherische Sprachblümeleien. Immer wieder tun sich inhaltliche Gräben auf zwischen


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