KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 23/05 vom 08.06.2005

Den Alltag und seine Abläufe genau beobachten, Holprigkeiten registrieren oder selbst eine Hand voll Sand ins Getriebe streuen: Die einfach-humorvollen Arbeiten von Roman Ondák und Leopold Kessler basieren trotz aller Unterschiede auf einer ähnlichen Methode. Ondák, 1966 in der Slowakei geboren, zeigt in der Galerie Martin Janda (bis 16.7.) das Projekt "Passage", das er in Japan durchgeführt hat. Mit viel Verhandlungsgeschick konnte der Künstler das Unternehmen Nippon Steel für eine Kooperation gewinnen. Ondák verteilte dort an 500 Stahlarbeiter Schokolade und bat sie, nach Verzehr der Süßigkeit aus der Silberfolie eine Skulptur zu basteln. Die rührenden Glitzerdinger werden in der Galerie auf einem riesigen weißen Tisch präsentiert. Eine Fotoserie dokumentiert die Vorbereitungen für das Projekt, zeigt aber keinen von Ondáks Auftragskünstlern.

  Leopold Kessler, der derzeit auch bei "Lebt und arbeitet in Wien II" in der Kunsthalle vertreten ist, stellt im Kunstbuero unter dem Titel "O" aus (bis 2.7.). Der titelgebende Buchstabe sitzt in einem Leuchtschild der Polizei locker. Ein Video zeigt den Künstler, wie er den losen Kreis heraushebt und Geldscheine aus der Box holt - welcher Ort könnte sicherer sein? In London, wo die Telefonzellen noch Türen haben, verwandelte Kessler eine solche in Privatraum: Die Anbringung eines Schlosses erlaubt fortan die Verriegelung von innen. Zwei Mietgegenstände aus dem öffentlichen Raum hat der Künstler zu einer skurrilen Skulptur zusammengehängt. Vienna-Bike und Einkaufswagerl tragen das gleiche 2-Euro-Münzschloss. Für seine Installation "Angstmann" brachte Kessler eine winzige Figur über den Köpfen der Besucher an. Das elektrisch betriebene Männchen bewegt sich mit dem Rücken an die Wand zögerlich fort und lässt an einen Selbstmörder denken. So ein Sprung in die Tiefe ist natürlich auch ein Moment, wo sich Privates ohne Rücksicht auf die anderen Geltung verschafft.


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