PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Du musst eine Schlampe sein ...

Stadtleben | aus FALTER 23/05 vom 08.06.2005

... als Jesus in seinem Haus bei Tisch saß, kamen viele Sünder und Zöllner und aßen mit ihm ...

Mt 9,9-13 (Evangelium am 10. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres A)

Also Jesus war auch ein bisschen eine Schlampe. Die Hochhäuser der EU schützen aber vor, keine Schlampe zu sein. Du musst aber eine gütigste Schlampe sein, versauteste Bluejeans mit Wichsflecken tragen, wenn du eine große Zentralmacht sein willst, respektive regierter Untertan. Es ist eine Katastrophe, treffe ich wen Süßen, ist das sicher ein Herba-Life-Verkäufy, das mich umgarnt, damit ich in die Fallstricke fiele, die diese Abmagerungskette kunstvoll bereitet, nicht damit ich abmagere, sondern damit die Kette ihrer Aufgabe folgt. Nur leider ist das nicht alles, sondern ich muss auf der Stelle beschließen, aus Widerstand und damit sie sehen, fünf Kilo hinauf mir zu fressen. Also mit anderen Worten: Ein bisschen von mir hatte auch Jesus. Und vielleicht ließ er sich sogar kreuzigen deshalb. Es kommt oft, dass du nicht anders kannst und dich das Gegenteil einnimmt. Das sollte auch generell bedacht werden, wenn "der Mensch" in ein Konzept gerät. Also wir lernen daraus, Jesus war sicher ein Süßer. Er war ja auch unehelich, aß mit Sündern und Zöllnern, plauderte mit sehr interessanten Frauen, ließ sich die Füße von ihnen mit ihren Haaren salben. Und benannte sich danach "Gesalbter" (= "Christus"). Trieb Schabernack mit Begrabenen (ließ Lazarus über Gebühr im Grab warten) Und Johannes floh nackt, als sie gefunden wurden am Ölberg ... Der Jünger, den Jesus liebte.

  Nirosta ist überhaupt das Zeichen schlechthin. Nehmen wir die öffentlichen Toiletteanlagen Wiens. Da hatten noch in der Kaiserzeit die Hebammen sich zusammengesetzt und überlegt, wie die Pisspfannen in den öffentlichen Bedürfnisanstalten gestaltet sein sollten. Viele Jahre beraten, und dann stand die Emailpfanne da. Es wahr wohlgemerkt kein E-Mail. Die Pfannen haben so lange gehalten, die Jugendstil-WC-Anlagen standen in jedem Reiseführer drinnen. Und jetzt haben die Innenarchitekten es vergessen. Sie haben alle einen Langen und denken nicht lange nach.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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