Schamlos, aber schuldig?

Politik | ALFRED J. NOLL | aus FALTER 24/05 vom 15.06.2005

VERBOTSGESETZ Die Staatsanwaltschaft fordert die Auslieferung von John Gudenus. Ist der Mann jetzt dran? 

Wenn unsereiner ins Schätzkästlein strafgerichtlicher Üblichkeiten hätte greifen dürfen - was wäre da nicht alles zu finden gewesen nach dem ersten schändlichen Rülpser von John Gudenus? Auf frischer Tat hätten wir ihn ertappt! Und ab die Post: Tatbegehungsgefahr, Untersuchungshaft, Anklage! Hauptverhandlung, unbedingte Freiheitsstrafe wegen mangelnder Reue, Gefängnis! - Schluss, aus, Ende?

  Es ist nicht nur Gudenus, der von Glück sprechen kann, dass uns dieser unmittelbare Griff zum Besteck strafrechtlicher Verfolgung verwehrt war. Berechtigte politische Empörung und moralische Übelkeit sind schlechte Ratgeber beim strafrechtlichen Umgang mit politischer Devianz. Wer schon nach Gudenus' "Zweifeln" an den Gaskammern eine Verurteilung herbeisehnte, der musste sich etwa fragen lassen, ob er damit nicht ein (zum Glück überholtes) Gesinnungsstrafrecht postulierte, das


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