DER ZERFALL JUGOSLAWIENS

Mord, Vertreibung, Vergewaltigung

Politik | aus FALTER 24/05 vom 15.06.2005

Nach dem Tod des Übervaters JosÇip BrozÇ Tito gewannen im Vielvölkerstaat Jugoslawien die Nationalisten die Überhand. Der serbische Führer Slobodan MilosÇevic´ zerstörte das Gleichgewicht zwischen den Volksgruppen, indem er die Autonomie des Kosovo und der Vojvodina beschnitt. Die anderen Teilrepubliken reagierten mit Unabhängigkeitsbestrebungen. Das ethnisch homogene Slowenien errang im Sommer 1991 nach nur zehn Tagen Krieg mit der jugoslawischen Volksarmee die Unabhängigkeit, weil die serbischen Nationalisten an dem Land nicht interessiert waren. In Kroatien hingegen lebten viele Serben. Erst eroberten ihre Truppen ein Drittel des kroatischen Gebietes, vier Jahre später schlug das mittlerweile unabhängige Kroatien unter Franjo Tudjman zurück. Waren 1991 die Kroaten geflohen, wurden nun die Serben vertrieben und in manchen Fällen umgebracht.

  Obwohl sie gegeneinander kämpften, vereinbarten die Kriegstreiber MilosÇevic´ und Tudjman indes, sich jeweils einen großen Teil des multiethnischen Bosnien-Herzegowina unter den Nagel zu reißen. Die Führer der größten Volksgruppe, der muslimischen Bosniaken, wollten die Einheit des Landes retten. Erst später kamen auch in ihren Reihen radikale Kräfte auf. Vom Frühjahr 1992 bis Jahresende 1995 kämpften Serben, Kroaten und Bosniaken gegeneinander, letztere beiden Gruppen waren zeitweise verbündet. Alle drei Kriegsparteien nahmen "ethnische Säuberungen" vor, anfangs die Serben, später die Kroaten und die Bosniaken: Missliebige Bewohner wurden vertrieben, vergewaltigt und ermordet. Insgesamt kamen etwa 200.000 Menschen um, rund 2,2 Millionen wurden vertrieben. Nachdem Nato-Truppen serbische Stellungen bombardiert hatten, beendete der Vertrag von Dayton den Krieg. Heute ist Bosnien ein Staat unter internationaler Kuratel, in dem alle drei Volksgruppen mehr schlecht als recht zusammenleben.


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