PRESSESCHAU

Medien | EVA WEISSENBERGER | aus FALTER 24/05 vom 15.06.2005

Der erste Satz ist der wichtigste. Entscheidet er doch, ob die Leser geneigt sind, sich hineinziehen zu lassen. Manchem Schreiber geht er leicht von der Hand, mancher verwendet sechs Stunden darauf. Nehmen wir die aktuelle Ausgabe des heimischen Nachrichtenmagazins. Ein erster Satz kann kürzer sein als eine Zeile: "Kobersdorf ist anders." Oder gleich der ganze erste Absatz: "Seit Franzosen und Holländer in ihren Referenden die europäische Verfassung abgelehnt haben, ist eine Debatte über den Euro ausgebrochen." Er kann allgemein gehalten sein: "Es ist doch alles eine Frage der Interpretation." Oder schon eine kleine Reportage: "Pistolenschüsse zerschneiden die Luft, junge Burschen balancieren ihre Motorräder durch die Menge, Hunderte Hände umkrallen die Stangen und den Stoff der gelben Hisbollah-Flaggen." Humor ist auch erlaubt: "Der französische Slang kennt die etwas unfeine, aber eingängige Wendung "pisser dans un violon pour faire de la musique." Wenn Sie nun wissen wollen, was das heißt, kaufen Sie sich das profil. Wäre interessant zu erfahren, welcher Einstiegssatz Sie zum Lesen verführt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige