Zwänge im Märchenwald

Kultur | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 24/05 vom 15.06.2005

FILM Todd Solondz' "Palindromes" und Nicole Kassells "The Woodsman" nähern sich dem Thema Pädophilie mit Mitteln des Märchens. 

Zeitgleich zur Urteilsfindung im Prozess gegen Michael Jackson starten hierzulande zwei kleine amerikanische Vorjahrsproduktionen, die von Pädophilie handeln. Oder vielmehr: Gemeinsam ist den Filmen, dass sie ganz auf dieses Reizthema reduziert werden könnten. Wobei es noch dazu nahe läge, sie in einem komplementären Verhältnis zueinander zu sehen: als eine boshaft-nihilistische Satire über Opfererfahrungen und ein gefühlvolles Außenseiterdrama aus der Täterperspektive. Aber Todd Solondz' "Palindromes" und Nicole Kassells "The Woodsman" ist auch gemeinsam, dass sie weder dämonisieren noch talkshowhaft erörtern. Vielmehr richten beide Filme ein Wahrnehmungsterrain ein, das unser Verhältnis zu den Filmfiguren schwierig macht.

  "Palindromes" legt schon im Titel eine konzeptuelle Art der Filmlektüre nahe. Zwar ergibt der Film nicht von vorne nach


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