Die Einsamkeit jedes Mal neu

Kultur | ERICH KLEIN | aus FALTER 24/05 vom 15.06.2005

LITERATUR Die Gedichte von Tomas Venclova sind vor dem Hintergrund europäischer Geschichte zu lesen: Als Litauer hat er sowohl Naziterror als auch Stalinismus erlebt. Demnächst liest der Dichter in Wien. 

Unter den Dichtern Europas ist Tomas Venclova kein Unbekannter. Mit Boris Pasternak, W.H. Auden und Czeslaw Milosz stellt ihn der Literaturnobelpreisträger Jossif Brodskij in eine Reihe, Thomas Kling nannte ihn die "Stimme der Ostsee", der Büchnerpreisträger Durs Grünbein, der an einer Nachdichtung von Venclovas Gedichten arbeitet, klagte darüber, nur noch wie dieser schreiben zu können. Als Gewissen der Nation wurde er tituliert, aber auch als Verräter Litauens attackiert. Venclovas Gedichte selbst schlagen immer einen fragenden, fast zögerlichen Ton an: "Ich nehme an, das fand nicht statt", heißt es da etwa. Oder die Stimme erhebt sich überhaupt aus der Negation: "Mich hat die Mitte des Jahrhunderts voll erwischt. / Ich lernte, aber lernte nicht zu sein." Die darauf meist


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige