ALBERTINA

Tiefer geht's nicht

Kultur | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 24/05 vom 15.06.2005

Jahre früher als geplant geht nun der Tiefspeicher der Albertina in Betrieb. Nach 15-jährigem Notquartier in der Nationalbibliothek kommen die Zeichnungen und Druckgrafiken wieder in das Stammhaus zurück. 16 Meter tief in die Augustinerbastei senkt sich das Depot, in dem 10.000 Stellplätze für eine Million Kunstwerke Platz haben. In weniger als einer Minute greift ein pfeilschneller Roboterarm nach einem der Tablare und schiebt es zu einem von drei Ausgängen. Kein Staubkorn und kein Wassertropfen gelangt in den hermetisch abgeriegelten Regalraum, der 38 Meter lang und neun Meter breit ist und eine konstante Temperatur von 19 Grad Celsius aufweist.

  Es ist das erste Mal, dass so ein Hochregallager nicht für Medikamente oder Wertpapiere, sondern für Kunstwerke genutzt wird. In den vergangenen Jahren wurden die Bestände digitalisiert und können so über Computer durchsucht werden. Diese Datenbank ist auch mit dem Depotroboter verbunden, der sich den Standort jedes einzelnen Werkes merkt. Je nach Leihfrequenz lagert die Maschine die Werke an verschiedenen Orten. Ein häufig ausgeborgtes Blatt liegt nahe am Ausgang, wo es einem Forscher oder einem interessierten Laien ausgehändigt wird. Darüber hinaus gibt es eigene Depots für großformatige Objekte.

  Die Baukosten für den Tiefspeicher betragen 5,1 Millionen Euro, ein Drittel kommt von der Burghauptmannschaft Österreich, zwei Drittel von der Albertina. Demnächst wird auch das neben dem Tiefspeicher liegende Studiengebäude seiner Bestimmung übergeben, sodass die Albertina dann ihren vollen wissenschaftlichen Betrieb aufnehmen kann.


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