Fragen Sie Frau Andrea

Der Spucker

Stadtleben | aus FALTER 24/05 vom 15.06.2005

Liebe Frau Andrea, als Liehaberin Ihrer Kolumne muss ich mich nun auch einmal an Sie wenden. Warum spucken seit einiger Zeit fast alle? Leute spucken aus den Fenstern, auch direkt vor die Füße wird einem gespuckt. Meist sind's Männer, aber auch Frauen hab ich schon gesehen. Natürlich wurde immer gespuckt, aber so massiv wie heute noch nie. Woher kommt diese "Mode", fragt Regina Targyik, 1230 Wien

Liebe Regina, als ich noch teenagte, verkehrte in unserem Häuserblock, also eigentlich um unseren Häuserblock, der sogenannte Spucker. Alles am Spucker war frisiert. Seine weißgelben Schnittlauchlocken wurden viertelstündlich frisiert, mit einem Aluminiumkamm, der nach Futkarliart mit dem Stiel nach oben in seiner hinteren Hosentasche steckte. Frisiert war auch sein Eisen, ein knallrotes, aufgebohrtes Postlermoped, mit dem der Spucker böse Runden um den Häuserblock glühte und sich dabei gewiss fühlte wie Johnny Cecotto in Monza. Die Zeiten, die der Spucker für den Häuserblock Schrey-, Nestroy-, Leopolds- und Adambergergasse brauchte, stoppte sein Haberer, der Pepperl, der Installateur lernte und auch ein lautes Puch-Moped hatte, das bei seiner Mutter in der Erdgeschoßküche garagiert war und das auch dort gezangelt wurde. Der Spucker war von kleiner Gestalt und saß nach Art der Apachen in der Ritze zwischen Tank und Sitzbank. Dass der Spucker spuckte wie ein Lama, versteht sich von selbst.

dusl@falter.at


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