VOM GRILL

Ampel auf Schwarz

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 24/05 vom 15.06.2005

Bei der Kreuzung unter meinem Fenster fielen neulich plötzlich alle Ampeln aus. Vierzig Lampen auf Schwarz. Als Schwarzampelseher sah ich einen grauenhaften Horrorfilm, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleiben musste. Wer meint, es sei halt zugegangen wie an jeder ungeregelten Kreuzung, irrt. Es war für alle Beteiligten ein Ausnahmezustand, die totale Irritation. Die Autofahrer krochen friedfertig auf allen vieren aufeinander zu - wie sonst? -, robbten aneinander vorbei und atmeten dann auf, als wären sie dem Tsunami entkommen. Die Fußgänger waren aber vollends aufgeschmissen und wurden zu Hühnern. Besonders die Passanten zwischen circa 15 und 25 fielen durch Unbeholfenheit auf. Eine Generation, die im totalen Reglement herangewachsen ist? Sie trauten sich jedenfalls kaum auf die Straße, hatten keinen Überblick, konnten die Lage nicht abschätzen und sich mit niemandem per Augenkontakt verständigen. Solche Leute, Leute, übernehmen morgen das Lenkrad der Welt. Vielleicht sollte man sie, wie man die Kleinen in den Verkehrserziehungsgarten schickt, ein bisschen in Anarcho-Parks für trübe jugendliche Tassen stecken. Wo sie schräg über die Gasse flitzen lernen, aufmüpfig und stolz sein, hemmungslos lachen und dann - ach! - trotzdem die Welt umarmen. Ach so, so einen Chaosgarten gibt es nicht. Schade.


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