VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 25/05 vom 22.06.2005

Fast hätte ich dieses Juwel übersehen. Eine ganze Seite, zu zwei Drittel voll mit Fotos, die mit Sprechblasen verziert sind. Sie zeigen österreichische Pop-Künstler, nachmals Austropopper genannt, beim Würstelgrillen und Biertrinken an einfachen Holztischen. Der Titel des Textes: "Futter für die Bimbos. Von Thomas M'Gang und Massa Kris-Kris Windéle", für das Falter-Publikum unschwer als Thomas Mießgang und Christoph Winder zu identifizieren. Sie schrieben: "Eineinhalb Millionen Schilling wollen österreichische Popkünstler nach Äthiopien schicken (...). Frage: Wo nehmen die Menschen (Österreich) das ,Göd' für die Menschen (Afrika) her? Antwort: Sie nehmen eine Platte auf. Zu einem, wie geschmackvoll, wie sinnig, äthiopischen Volkslied leimen Ambros & Fendrich einen Text von einer politischen Scharfsicht und moralischen Stoßkraft, dass einem das Burenhäutl sonstwo steckenbleibt: ,Der Hunger ist ein Instrument (?), der Hunger stützt die Herrn (?), der nix zum Fressen hot, der kann si a net wehr'n.' Oder, um diesen Gedanken in die Sprache einer alten äthiopischen Volksweisheit zu kleiden: ,Wenn Massa nix geben Nam-Nam, dann Bimbo viel gutes Untertan.' Die Bilder auf dieser Seite sind im gastronomischen Randbereich der Tonaufzeichnung von ,Warum' entstanden. Wir drucken sie (...) ein zweites Mal ab. Man kann nicht oft genug sehen, wie Hunger und Elend erwachsene Menschen nachdenklich und betroffen machen können." A.T.


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