Starker Mann, was nun?

Vorwort | RAIMUND LÖW | aus FALTER 25/05 vom 22.06.2005

AUSLAND Nachdenkpause für Europas Spitzenpolitiker nach ihrem Scheitern bei Verfassung und Budget. Ist Tony Blair nun zufrieden? 

Tony Blair ist nach dem jüngsten Gipfeldebakel beides: der neue starke Mann Europas, dem es trotz schlechter Karten gelungen ist, eine respektable Koalition hinter seiner Vision einer angeblich flexibleren und weniger bürokratischen EU zu sammeln; gleichzeitig ist er aber auch der Hauptverantwortliche dafür, dass sich die europäische Vertrauenskrise scheinbar unaufhaltsam weiter verschärft. Ein Budgetkompromiss hätte zeigen können, dass das politische Europa nach wie vor lebendig ist. Ein solches symbolträchtiges Signal hat Tony Blair verunmöglicht, indem er sich weigerte, auch nur einen Millimeter von den überholten britischen Sonderkonditionen abzugehen.

  Dabei galt der Mann, der unbekümmert den Keil der Spaltung in das fragile europäische Gebilde treibt, nach Margaret Thatcher als EU-freundlichster britischer Politiker seit Jahrzehnten. Sogar


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