KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 25/05 vom 22.06.2005

Es ist ein eigenwilliger kleiner Zoo, den die 1980 geborene US-Künstlerin Hannah Dougherty in der Galerie Krobath Wimmer (bis 31.7.) versammelt hat. Die Schau wird von mythologischen Geschöpfen bevölkert: Ein Zwillingspaar mit Hirschköpfen tritt auf, ein Esel trägt große weiße Flügel. Ihre präzise gezeichneten Fabelwesen kombiniert Dougherty mit ganz banalen Elementen, sie mischt etwa ein Motorrad oder Vogelhäuschen unter sie. Dabei wechselt die Künstlerin ständig Hintergründe und Mittel. Mal zeichnet sie mit Bleistift auf Holz, dann wieder mit Tusche direkt an die Wand. Die Leinwände tragen Spuren von Skizzen und Schmutz. Der Arbeitsprozess wird ausgestellt, andere Bilder erscheinen wieder fertig und cool wie x-beliebige grafische Darstellungen. Die Ausstellung vermittelt einen offenen, leichten, jungen Eindruck. Aber man merkt, dass Dougherty die Harmlosigkeit genau abwägt, wofür auch der Ausstellungstitel "The Burden" spricht.

  Hybride Figuren entwirft auch Dorothee Golz in ihrer Ausstellung "Adult Playgrounds" in der Galerie Hohenlohe & Kalb (bis 9.9.). Für die Serie "Frauenbilder" montierte die Künstlerin mit Photoshop Gesichter klassischer Porträts von Holbein bis Vermeer in zeitgenössische Frauenkörper. Das Ergebnis berührt einen peinlich: Wenn so eine bauchfreie Adelsfrau als Kritik an zeitgenössischen Schönheitsidealen gedacht sein soll, dann kommt das schon sehr plakativ daher. Bei längerer Betrachtung tritt aber der künstliche Charakter der Figuren, ihre Puppenhaftigkeit stärker hervor und macht sie wieder interessant. Das Spiel mit Körpern setzt Golz auch in ihren rätselhaften Zeichnungen fort. In "Le Je et Le Moi" bilden die Leiber zweier Turnerinnen einen Ring, in "Betrachtungen über das Glück" widmen sich Frauen skulpturalen Objekten, die an die Plastiken Henry Moores denken lassen. Und bei der Betrachtung dieser surrealen Welten kann man sich schon eine Weile verlieren.


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