Fragen Sie Frau Andrea

Das Knödel, das!

Stadtleben | aus FALTER 25/05 vom 22.06.2005

Liebe Frau Andrea,

mir als ostwärts gewandertem Oberösterreicher ist irgendwann aufgefallen, dass es hier in Wien "das Knödel" und nicht wie in meiner Heimat "der Knödel" heißt. Ausgedehnte Feldstudien ergaben, dass eine scharfe Trennlinie existiert, die ziemlich genau dem 15. Längengrad folgt. Keine Antwort konnte ich jedoch auf die Frage finden, wie dieser "Knödeläquator" entstanden ist und ob es vielleicht Regionen gibt, in denen der/das Knödel sogar weiblich ist? Liebe Grüße,

Klaus Kreiner, Landstraße

Lieber Klaus,

ein von Ihnen postulierter Knödelgeschlechtsäquator entlang des 15. Längengrades folgt in groben Zügen der Grenze zwischen Ober- und Niederösterreich. "Der Knödel" ist selbstverständlich auch in Wien und dem von der Haupt- und ehemaligen Residenzstadt sprachlich beeinflussten Umland bekannt. "Das Knödel" gibt es tatsächlich, es steht allerdings für das, was die Deutschen mit "Knete" und die Engländer mit "dough" bezeichnen. Das Geld nämlich. "Das Knödel" heißt "der Knödel", wenn ein Wiener zur tschechischen Muttersprache neigt und Dinge - wozu auch der Knödel, tschechisch knedlík zählt - grundsätzlich als Neutrum versteht und daher im Deutschen fälschlich einen sächlichen Artikel zuordnet. Der 15. Längengrad scheint auch die Grenze einer anderen Leckerei zu sein, die der würzigen Bratwurst, die hieseits des 15. Grads Bosna heißt und diesseits Bosner.

dusl@falter.at


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