STADTRAND

Lange Nächte

Stadtleben | aus FALTER 25/05 vom 22.06.2005

Wie meinte der schlaue Pastoraltheologe neulich beim "Coffee Talk"? Kunst, Kultur und Kirche, alles, was im Alltag der Menschen keinen Platz mehr habe, müsse in die Nacht ausweichen. Genauer: in die "Lange Nacht". Mit der Langen Nacht der Museen hat der Spuk begonnen. Dann kam die Lange Nacht der Musik, die Lange Nacht der Kirchen und wer weiß was noch alles. So eine lange Museennacht macht ja vielleicht noch Sinn, weil's ja dann doch immerhin spannend sein kann, um Mitternacht einen Ort zu besuchen, der sonst nicht geöffnet hat. Und dass die Kirchen zumindest einmal im Jahr für alle offen stehen, ist ja auch irgendwie beruhigend. Doch weshalb man die Lange Nacht der Musik so verkauft, als würden in allen anderen Nächten des Jahres nach Sonnenuntergang die Gehsteige raufgeklappt und sämtliche Musiklokale, DJ-Bars oder Konzerthallen der Stadt zugesperrt, versteht doch wirklich niemand (nun, es ist Marketing, Baby). Präsentieren sie uns bald "Lange Nächte" des Abendessens, der Schlaftablette, Nachtautobusse, Langeweile oder der Pyjamas? Echt absurd! C. W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige