VOM GRILL

Graz g´hört wem?

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 25/05 vom 22.06.2005

Neulich habe ich ein Abenteuer gehabt auf dem kochenden Asphalt der - soll man's affig sagen? - Murmetropole. Ich war mit einer blinden Frau am Arm und einem Kleinkind im Wagerl unterwegs. Sie wollte "Schuh schaun gehn", das Kind wollte krähend künden, Leben sei Trara, und ich wollte beide heil nach Hause bringen. Grazer Passanten nehmen auf Blinde und Butzis nur wenige Prisen Rücksicht.   Tun wir nicht lang und gar verständigungsfromm oder politisch korrekt herum, sagen wir's grad heraus: Die Leut sind ein Gesindel. Die Steigerungsstufe davon sind Geschäftsleut. Sie verbarrikadieren Gehsteige so verschlagen und ungehindert mit Werbetafeln, Dreiecksständern sowie Plunderkisten, als seien es Panzersperren. Rollstuhl- und Kinderwagenfahrer, Blinde, Alte und ich müssen allweil hinunter auf die Fahrbahn, wo wir von selbstherrlichem Autogesindel herrisch verbellt werden. Wem gehört eine Stadt, in der Verkauf alles und der Mensch nichts ist? Am Hauptplatzbrunnen schilderte ich der Blinden den Anblick der tristen Punks, denen die Stadt garantiert auch nicht gehört. Sie amüsierte sich königlich, aber später meinte sie leise: "Schauen verlassen aus, die Kinder, oder?" Auf die verlassenen Kinder gehen Gesindel und ergo Politik und Polizei allweil gern los, aber auf die tatsächlich Gemeingefährlichen - nur diese Glosse?


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