VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 26/05 vom 29.06.2005

Da dermal der Platz noch knapper ist als sonst, was wir löblichen Inserenten verdanken (wir wollen sie preisen, für ihr Tun leben und arbeiten wir, denn es lässt uns leben und arbeiten), nütze ich die Nostalgie-Kolumne zu einer Art verspätetem Buchtipp, zu einem Anhang an das Sommerleseservice im letzten Falter.

  Stefan Settele schrieb einen seiner glänzenden Texte über den Vorarlberger Bauer-Dichter Franz Michael Felder, der sich im 19. Jahrhundert im abgeschiedenen Bregenzer Wald vom schlichten Bauernbub zum Dichter und zum Sozialreformer entwickelte, der in Leipziger und anderen Salons hofiert wurde. Dabei stand dieser Entwicklung so gut wie alles entgegen: "Die schönsten Passagen seiner vor kurzem neu aufgelegten Autobiografie ,Aus meinem Leben' sind Erinnerungen an eine fiebrige Lektüre, die sich der Halbwüchsige mit Schindelmachen und durch den Handel mit Ziegenfellen finanziert. Dabei durfte Felder nach heutigen Maßstäben fast als blind gelten. Schwer kurzsichtig auf dem einen, wird ihm von einem betrunkenen Arzt auch noch das gesunde Auge verdorben. Man bringt ihn zu einem wundertätigen Kaplan, der, anstatt Wunder zu heilen, verlauten lässt, dies alles seien untrügliche Zeichen Gottes, der den Knaben vor den Gefahren des Lesens bewahren will.'" Gott sollte lieber jene erblinden lassen, welche schlechte Bücher schrieben, erwiderte Felder. Wer ihn noch nicht kennt: Lesen! A.T.


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