STANDPUNKT

Haiders Sündenfall

Politik | aus FALTER 26/05 vom 29.06.2005

So, jetzt sind Haiders Spesen öffentlich. Nachdem die schuldengeplagte FPÖ via News Susanne Riess-Passers Schuhkäufe öffentlich machte, setzt sie nun auch Haider via profil unter Druck. Es geschieht ihm recht, dass nun bekannt wird, wie viel die Partei für seine Jetflüge nach Wien bezahlte (3200 Euro pro Flug), und es ist interessant, wie viel Haider für seine Autos und Huldigungsfeiern aus der Parteikasse rückerstattet erhielt. Der blaue Robin Hood war halt auch ein Spesenritter, und er selbst hätte über einen wie ihn wohl übel hergezogen. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Die FPÖ bekam Geld von der Republik, um ihren politischen Einfluss zu maximieren. Was die FPÖ mit der Kohle macht, ist ihre Sache. Die Blauen entschieden sich dafür, Haider schick gekleidet mit dem Porsche zur Disco fahren zu lassen. 13 Jahre lang hat sich dieses Investment gelohnt, weil auch wir Journalisten es fetzig und gewinnbringend fanden, den schicken, nackten, kletternden oder springenden Haider aufs Cover zu setzen (und Strache wäre wohl auch gern so cool). Haider wurde groß, weil er ganz andere Spesenskandale attackierte: Da hatten sich einzelne Bonzen mit öffentlichen Ämtern bereichert und die gesamte politische Klasse ins Zwielicht gerückt. Dieser Form von Ämterwirtschaft ist die FPÖ mittlerweile längst selbst verfallen. Das ist der Sündenfall Haiders. Nicht sein Porsche. F. K.


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