FERNSEHEN

Medien | ARMIN THURNHER | aus FALTER 26/05 vom 29.06.2005

Wie redet man mit einem schwer Kranken, der über seine Krankheit im Bilde ist, aber von der einzig möglichen Heilung nichts wissen will, ja nichts wissen darf, weil die einzig mögliche Therapie zugleich die Todesstrafe zur Folge hätte? Der ORF krankt schwer daran, dass er kritischen Journalismus abschafft, wo er nur kann. Er kann aber den kritischen Journalismus nicht ermutigen, weil die Politik sonst ihn, beziehungsweise seine sogenannten Verantwortungsträger, mit dem Tod bestrafen würde. Macht der ORF also eine Talkshow, muss er achten, dass zwar geredet, aber wenig gesagt wird. Die Show mit dem verräterischen Titel "Offen gesagt" litt bis vor kurzem unter dem Dilemma, dass manchmal zu fünft oder sechst doch noch geredet wurde. Nun hat der ORF dieses Problem gelöst, indem er Publikum mit einbezieht. Operation gelungen! Geladene Petenten mimen Publikum, der Moderator steht hölzern auf, wenn eine Diskussion droht, und unterbindet alles, was nach Gespräch riecht. Die Diskutanten sagen hölzern Statements auf. Sofort abschaffen wäre die einzige Heilung für dieses Desaster. Geht leider nicht. Siehe oben.


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