STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY / MICHAEL OMASTA | aus FALTER 26/05 vom 29.06.2005

Cachorro" ist spanisch und bedeutet "Tierjunges". In Miguel Albaladejos' gleichnamigem Spielfilm, der beim Queer-Festival Identities vor kurzem zum Publikumsliebling gekürt wurde, steht dieser Ausdruck für einen Buben, der seinem Madrider Onkel überantwortet wird. Dieser wiederum hat mit Kinderpflege wenig vor, bewegt er sich doch in einem großen Freundeskreis von "Bären", homosexuellen Männern, die mit Holzfällerhemden und jeder Menge Körperbehaarung dem Klischee vom androgynen Schwulen ihre ganze Männlichkeit entgegensetzen. "Cachorro" ist ein liebevolles Porträt dieser Szene, das im Kern dem Schema des Buddymovies folgt: Zwei ungleiche Partner wachsen zusammen, werden durch Schicksalsschläge vereint und entzweit und haben am Ende jeder vom anderen eine Lektion gelernt. In die Filmgeschichte eingehen wird "Cachorro" also wohl weniger aufgrund narrativer Innovationen. Aber es könnte der Film sein, der den freizügig dargestellten Dreier zwischen Männern vorabendfamilienfilmfähig macht.

  Nicht bloß in die Filmgeschichte, sondern beinah überhaupt eingegangen wäre United Artists vor 25 Jahren an Michael Ciminos paranoidem Größenwahn und "Heaven's Gate", einem dreidreiviertel Stunden langen Heimatfilm, der von Konflikten zwischen skrupellosen Landeigentümern und zugewanderten Siedlern im Wyoming des 19. Jahrhunderts erzählt. Die einen wollen die andern, äh, weg. Kris Kristofersson und Isabelle Huppert spielen die Guten, Christopher Walken den Revolverhelden voll Charisma des Bösen. Die abscheuliche Kamera besorgte Vilmos Zsigmond. ",Heaven's Gate' ist ein Western ohne Schauplätze, er ist nur ausgestattet", schrieb Hartmut Bitomsky seinerzeit in der Filmkritik. "Wo immer eine Einstellung oder eine Sequenz aufhört, an einem Schnitt, an dem Rand eines Bildes, da scheint auch die ganze Welt des Films aufzuhören." Das Gartenbau, wo der Film diese Woche für drei Tage läuft, ist der einzige Ort auf der Welt, wo ihn zu sehen sich trotzdem lohnt.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige