Lockungen der Gewalt

Steiermark Kultur | ROBERT MISIK | aus FALTER 26/05 vom 29.06.2005

KUNST Die RAF als vage Chiffre für Radikalität und die ewige existenzialistische Frage "Wie weit bist du bereit zu gehen?" Die Berliner RAF-Ausstellung, nun in der Grazer Neuen Galerie zu sehen, trifft einen Nerv. 

Es war ein dürres Konzeptpapier mit dem Titel "Mythos RAF", das Deutschland im Sommer 2003 eine nahezu hysterische Debatte bescherte. In der Schau, deren Planung gerade erst begonnen hatte, sollte auch überprüft werden, "welche Ideen, Ideale ... ihren Wert durch die Zeit behalten" hätten. Dieser Satz hätte das Projekt beinahe in einem schon frühen Stadium gekippt. Angehörige von RAF-Opfern protestierten heftig, der deutsche Kanzler zeigte sich not amused und die Berliner Kulturförderer wollten ihr Geld zurück. Nur mit Ächzen und Würgen brachten die Kunst-Werke dann eine reduzierte Schau mit dem Titel "Zur Vorstellung des Terrors - Die RAF" heraus. Man zog sich auf das sichere Terrain der Kunst zurück. Viel Energie mussten die Kuratoren dafür aufbringen, Vorwürfe


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