VOM GRILL

HeuchlerInnen, ahoi!

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 26/05 vom 29.06.2005

Kaum begraben, wird sich Univ.Doz.Dr. Hans Georg Zilian schon im Grab umgedreht haben. Die Fachhochschule, wo der Soziologe vor drei Wochen noch gelehrt hat, sagte in ihrem sonst sehr empfindsamen Nachruf, dass auch die "KollegInnen" um ihn trauerten. Dem sprachsensiblen Moralisten war dieses -Innen-Getue nämlich Greuel und Gesslerhut. "Den mag grüßen, wer will. Ich nicht." Wie in seinem eben erschienenen "Unglück im Glück" nachzulesen, war er ein beharrlicher Feind jeglicher Heuchelei. Sei sie auch, wie jenes schaurige -Innen, ehrbaren Motiven entsprungen. Folglich war der 60-Jährige alles andere als schicklich. Die Heuchelei begleitet schließlich allenthalben unser Leben. Im Radio zum Beispiel rät eine Moderatorin tatsächlich, Jobs mit schlechtem Image umzutaufen. Werden so, schwupps, aus missachteten Putzfrauen glückselige Hygiene-Coaches? Die grüne Glawischnig zum Beispiel lockt Fotografen in ihre Intimzone und quengelt dann: "Wäääh, die haben fotografiert!" Und als die Grazer Annenstraße jüngst per Umfrage miese Werte bekam (zu schmutzig, zu laut, zu hässlich, zu viele Ausländer), da wollte die Politik nichts gegen den Dreck tun noch etwas für vernünftige und menschenfreundliche Integration. Sie macht es per Etikett und nennt die versaute Gegend simpel "Ethno-City". Sind die da oben so zynisch oder sind wir da unten so dumm?


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