VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 27/05 vom 06.07.2005

Mag es Ihnen auch auf die Nerven gehen, ab und zu zitiere ich hier einen Text von mir, auf die Gefahr hin, auf jeder der ersten vier mit redaktionellem Inhalt bedruckten Seiten dieses Hefts präsent zu sein.

  1985 ging es um Folgendes: "Die Außenminister waren gekommen, auf dem historischen Balkon hatten sie sich eingefunden, um uns zu winken. Stolz und Zutrauen blühte in den öffentlichen Parks, ein milder Wind wehte uns den Duft kosmopolitischer Selbstgefälligkeit in die Nase. Der alte Kanzler hatte sich die Haare färben lassen. Mit Freude nahmen wir seinen vierten Frühling wahr ..."

  Dabei ist es erst der dritte! Kurz zuvor waren übrigens die Angeklagten im AKH-Prozess freigesprochen worden. "Wie war der Freispruch begründet worden? Um den Vorwurf der Untreue erhärten zu können, wäre der Begriff des ,üblichen Gewinns' zu klären gewesen. Ab welcher Grenze verdient man zu viel? Diese heikle Frage konnte das in Wirtschaftsdingen unbewanderte Gericht nur von einem Sachverständigen beantworten lassen. Dessen Antwort lautete: Üblich sind in der Beratungsbranche höchstens fünf bis zehn Prozent. Die Angeklagten (keine Kapitalisten, alle aus dem Nahbereich der Sozialdemokratie) hatten 50 bis 60 Prozent eingestrichen. Der Richter entschied in einer Sachverständigenfrage, die der Sachverständige eindeutig beantwortet hatte, im Zweifel gegen den diesen und für die Angeklagten (...)

Ein paar Tage später eroberte die Wirtschaftspolizei die Schlagzeilen. In Kärnten war sie ausgeschwärmt, eine Baumafia hatte in Absprachen überhöhte Preise festgelegt, um uns Steuermillionen aus der Tasche zu ziehen und überhöhte Gewinne zu machen. Das kennen wir. Die braven Baumeister brauchen nichts zu fürchten. Wir sind nicht so. Der Gegner ist stärker. Wir haben einen guten Kampf geliefert. Es kann immer nur einer gewinnen, das sind nicht immer wir ..." Nichts Neues unter der Sonne! A.T.


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