Von wegen blau

Kultur | aus FALTER 27/05 vom 06.07.2005

KULTURGESCHICHTE Strauß-Walzer und Schaufelbagger, Sehnsuchtslandschaft und Verkehrsachse. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Donau gleichzeitig verkitscht und neu gestaltet, mystifiziert und ökonomisiert. Diese beiden Gesichter der Moderne zeigt eine Ausstellung im Technischen Museum Wien. 

Anton Bruszkay wollte es genau wissen. Um 1900 blickte der österreichische Hydrograf jeden Morgen zwischen sieben und acht Uhr ins Donauwasser. Seine Jahresbilanz: "An elf Tagen braun, an 46 Tagen lehmgelb, an 59 Tagen schmutziggrün, an 45 hellgrün, an 5 Tagen grasgrün, an 69 Tagen stahlgrün, an 46 Tagen smaragdgrün und an 64 Tagen dunkelgrün." Eine Farbpalette mit sechs Grünschattierungen, aber ohne Blau.

  Doch was vermag ein Hydrograf gegen einen Walzerkönig? Bereits im Mai 1867 war die Donau unwiderruflich blau geworden. Nach Johann Strauß' umjubeltem Auftritt bei der Pariser Weltausstellung wurde "An der schönen blauen Donau" buchstäblich zu einem Welthit. Dem Siegeszug in Europa


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