DONAU HEUTE

Kähne und Kräne

Kultur | aus FALTER 27/05 vom 06.07.2005

Welchen Blick werfen zeitgenössische Fotografen auf die Donau? Das Technische Museum Wien hat die Französin Sophie Ristelhueber und den Rumänen Iosif Király auf die Reise an den unteren Donaulauf geschickt. In der Ausstellung wirkt die Gegenwart zwischen den alten Schwarz-Weiß-Fotografien, den Schiffsmodellen und historischen Karten nur auf den ersten Blick farbig.

  Die großflächigen Bilder von Sophie Ristelhueber zeigen das Donaudelta als eine abgelegene, fast menschenleere Landschaft, durchzogen von einem nach Belieben mäandernden Fluss. Von Regulierung ist hier nichts zu spüren. Ihr Weg führt sie nach Sulina an der Mündung der Donau ins Schwarze Meer. Gerade mal 5000 Menschen wohnen heute noch in der einst blühenden Handelsstadt, die mittlerweile nur mehr per Schiff zu erreichen ist. Ein umgestürzter Kilometerstein, ein verwitterter Friedhof, Sulina scheint von Gott und der Geschichte vergessen worden zu sein.

  Ein ganz anderes Bild der rumänischen Donau zeigen die zu langen, schmalen Panoramen zusammengefügten Fotos von Iosif Király. Die scharfen Kanten der Bilder und die Überlappungen unterstreichen das Konstruierte dieser Tableaus. Riesige Verladekräne und Frachtkähne mit rostfarbenem Rumpf sind darauf zu sehen. Die berühmte Eisenbahnbrücke von Cernavoda hat mittlerweile einen Zwilling in Form einer Straßenbrücke bekommen. Darauf begegnen sich ein Fußgänger und ein Radfahrer. Und überall zwischen den Lagerhallen, Docks und Uferstraßen streunende Hunde. Die Industrie ist geblieben, die technologischen Visionen hingegen scheinen längst ins Schwarze Meer gespült worden zu sein.

O. H.


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