Ein Original am Klavier

Kultur | ARMIN THURNHER | aus FALTER 27/05 vom 06.07.2005

HANS KANN (1927-2005) Mit dem Tod des Pianisten vergangene Woche ist Wien ein bisschen weniger wienerisch geworden. 

Ich habe ihn nicht gekannt. Aber als Knabe habe ich ihn schon gehört, als er in Bregenz auftrat und eine umfängliche Klaviersonate des lokalen Komponisten Oswald Lutz uraufführte. Der Mann mit dem imposanten Schnauzbart, der diese fremdartigen Klänge erzeugte, hatte etwas anziehend Wienerisches, das ich damals nur spürte, aber nicht benennen hätte können. Etwas, das sich aus intellektueller Wachheit und interessierter Zeitgenossenschaft zusammensetzte, aber auch aus der tiefen Müdigkeit und der lässigen Eleganz einer großen Tradition, in die einer sich eingebettet findet. Diese Kombination in der Waage zu halten und produktiv zu machen ist nicht vielen Künstlern möglich; das Pendel schlägt gerade in Wien oft aus in Haltungen eines heftigen Avantgardismus oder eines indolenten Traditionalismus, beides Anzeichen fehlender Ironiefähigkeit.

  Der "traditionelle"


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