PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Der gottlose Jesus

Stadtleben | aus FALTER 27/05 vom 06.07.2005

... Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Und als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie ...

Mt 13,1-23 (Evangelium am 15. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres A)

Denken wir Jesus einmal ohne Gott. Denn er musste sich ja verirren vor 2000 Jahren, dass es der Gott sei, der hinter dem lauert. Geben wir ihm eine Chance, als Zeitgenosse gottlos zu sein. Denn dann sind seine Gedanken vollendet gerechtigkeitswahnsinnig. Besessen von der Gerechtigkeit, die unerreichbar ist, nur wenn eine vollkommene Weise wie Frau Larumara, die ich nicht kannte, nur in ihren letzten zwei, drei Jahren im "Seniorenclub" Maria Lourdes so liebte. Sie war die Sanftmut in Person.

  Sie sangen früher immer im Advent "Tauet Himmel den Gerechten". Und wir dürsteten förmlich, wie durstig der Advent war, wie die Sahara. Ganz trocken. Und der Tau war erfrischend. So eine Zeit erleben wir heute auch: keine Marienerscheinungen, nichts von drüben, nur ein toter Papst. Und sie hören nicht auf, heilig zu sprechen, geradezu rührend, wie Achtjährige, hören nicht auf, kindisch zu sein, so lange den Traum zu malträtieren, bis sich das Existieren erbarmt. Tauet Himmel den Gerechten, vergehen unsere Jahre, und es taut sich niemand. Keines taut sich, hätten meine Eltern gesagt in ihrem Duktus. Keines taut sich. Kein Mahatma Ghandi, keine Bertha von Suttner, kein Martin Luther King.

  Und wenn dann hundert Millionen EU-Bürgys nicht arbeiten, nicht fordern, nicht gieren, dann sind sie doch auch eine Gruppierung. Es taute sich eines, das vorsitzt, das das repräsentative Demokraty ist, und das sitzt dann überall dabei, und die Regierung dieser "Sich-Heraushalty" (SH) redet mit, und Somalia freut sich und Bangladesch. Ein weiter Staat ist gegründet, wie der Vatikan, der ja weltkulturell auch eine Rolle zugeteilt kriegte. Und diese hundert Millionen Leute erfüllte es mit Freude, zur allgemeinen Entspannung viel Freude beizutragen. Also nicht wie die CSU fordert, Sozialabbau zu reglementieren, sondern das genaue Gegenteil, indem wir Verrückten keinen Finger rührten und Ruhe fänden.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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