Taschengeldsperre

Politik | NINA HORACZEK | aus FALTER 28/05 vom 13.07.2005

ASYL Asylwerber sind nicht nur vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, sie müssen auch das Körberlgeld für gemeinnützige Arbeiten abliefern. 

Dreieinhalb Euro pro Stunde hätte er verdient. "Wir wollten einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling fürs Aufräumen und Sauberhalten seiner Flüchtlingswohngemeinschaft ein bisschen etwas geben", sagt Claudia Hoffmann vom Wiener Verein Zeitraum. So leicht dürfen Asylwerber aber seit kurzem nicht mehr ein paar Cent dazuverdienen. "Der Bursche hätte nämlich eine Verpflichtungserklärung unterschreiben müssen, dass sämtliche Einkünfte von seinen monatlichen vierzig Euro Taschengeld und den 12,50 Euro Kleidungspauschale abgezogen werden", erzählt Hoffmann. Also hätte er, um 3 Euro 50 zu verdienen, erst 15 Stunden gratis putzen müssen. Wer länger als drei Monate eine Beschäftigung hat, muss ebenfalls das gesamte Geld abliefern - so steht es zumindest in einem Kriterienkatalog über die Unterbringung und Betreuung von Asylwerbern, den Bund und Länder vereinbart haben.

  "Es stimmt, dass die Einkünfte von Asylwerbern seit einiger Zeit gegenverrechnet werden, das machen alle Bundesländer so", bestätigt der Sprecher des Fonds Soziales Wien, jener Einrichtung, die in der Bundeshauptstadt für die Unterbringung von Asylwerbern zuständig ist, "allerdings gibt es einen Freibetrag von hundert Euro". Zu den Flüchtlingsorganisationen ist das noch nicht durchgedrungen: "Bislang haben wir immer nur gehört, dass Einkünfte jeglicher Art abgeliefert werden müssen", sagt Heinz Fronek von der Asylkoordination.

  Welchen Erfolg die Körberlgeld-Einsammelaktion hat, wird sich erst weisen. "Die Maßnahme ist bis Ende August befristet, dann wird evaluiert, wie viel das Ganze bringt", heißt es beim Fonds.


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