Walk on the Wild Side

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 28/05 vom 13.07.2005

FILM Der Animationsspaß "Madagascar" beweist, dass auch Löwen New Yorker sein und dennoch in der Wildnis bestehen können. 

Früher einmal waren Tiere im Zeichentrickfilm dazu da, Entwicklungsromane nachzustellen, bis dann Dumbo, Bambi oder der König der Löwen erwachsen geworden waren und endlich die Stellung einnehmen konnten, die ihnen Gott, Natur, Schicksal oder wer auch immer zugewiesen hatte. Sie agierten als animalisches Analogon menschlicher Psychologie und Politik, und nur ab und zu blieb in der mythologisierenden Form des Gattungscharakters etwas von der Erkenntnis haften, dass der pädagogischen Verfeinerung der Viechsnatur gewisse Grenzen gesetzt, dass Tiger also eher böse, Schlangen verschlagen und Affen den Habermas'schen Standards kommunikativer Vernunft nur begrenzt zugänglich sind.

  In letzter Zeit gefällt sich der Animationsfilm für die ganze Familie darin, die Diskrepanz zwischen tierischen Instinkten und einer ins Reich der Fauna projizierten "Menschlichkeit"


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