STREIFENWEISE

Kultur | DREHLI ROBNIK, MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 28/05 vom 13.07.2005

Selbst im Juli lohnt ein Kino mit Dach obendrauf den Besuch, und sei es nur, weil die aus "Starsky & Hutch" und "Dodgeball" bewährte Komikerpartie mit einem neuen Routineprodukt am Start ist. In Abwesenheit von Ben Stiller präsentieren sich Bruchnase Owen Wilson und Schmolllippe Vince Vaughn als "Die Hochzeitscrasher": berufsburschikose Scheidungsmediatoren Mitte dreißig, die sich auf Nobelhochzeiten schleichen, um unter den Singles heterosexuell zu wüten und sich dann - wir nennen es Romantic Comedy - doch echt zu verlieben. Was in den Neunzigern debile Freaks Marke "Dumm und dümmer" waren, sind heute die Affektarbeiter am inneren Kind: Kinoikonen von Männlichkeit als Dauerritual der Selbstpreisgabe. Jedes Hormon ein Lacher, nur der homophob gezeichnete Schwager ist verzichtbar.

  In ihrem Spielfilmdebüt "Kamosh Pani" ("Stille Wasser") erzählt Sabiha Sumar, Dokumentarfilmerin für den britischen Channel 4, von den Auswirkungen des Fundamentalismus auf ein Dorf im pakistanischen Punjab. Man schreibt das Jahr 1979: Die Militärdiktatur verschickt ihre Aufwiegler und Denunzianten in die entlegensten Winkel des Landes, um die Islamisierung voranzutreiben. Vor allem Frauen und Andersgläubige haben unter den restriktiven Maßnahmen zu leiden. Doch keine Angst vor dem freudlosen Politdrama: Die deutsch-französisch-pakistanische Koproduktion wartet u.a. mit Massenszenen auf, die in ihrer expressiv-farbigen Choreografie ans Bollywoodkino (abzüglich des Kitschfaktors) erinnern. Montiert wurde die durch traumatische Flashbacks einer Muslimin mit Sikh-Vergangenheit unterbrochene filmische Erzählung von Bettina Böhler, Stammcutterin von Christian Petzold, Angela Schanelec und Michael Klier.


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