PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Nach Madrid nun zu dritt

Stadtleben | aus FALTER 28/05 vom 13.07.2005

... Es gibt keinen Gott, Herr, außer dir, der für alles Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast. Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit ...

(1. Lesung am 16. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres A)

Die Jurisprudenz wird schon sehr früh es sich vom Hals geschaffen haben, wenn Leute das schiere Existieren zum Gegenstand ihres Klagens vorgebracht haben. Aber es dürfte Überlegungen zu diesem Thema gegeben haben, sonst wäre es nicht zur heutigen 1. Lesung gekommen. Und heute, wo wir wissen, dass es keine uns und sich wissende Gottheit gibt, und manche trotzdem einen Seelenfrieden zu finden vermögen, ja, sogar vor sich selber einen Weg finden, sich zu beschuldigen und - ohne selbstgerecht zu werden - zu bereuen. Also sich zu bestrafen, von Herzen zu bereuen, ohne sich zu beschädigen. Und siehe, es funktioniert hirntechnisch alles, wie beim Gewölbebau, wenn du das Religiöse für dich selber im tiefen Ernst deines Selbst sachte unterhebst und entfernst. Wobei du ja Versatzstücke im Regal stehen lassen kannst. Instantbuße, von Nestlé entwickelt. Niemand darf dich zu irgendwas zwingen.

  Und so ist eine Liebe in mir zu den Angestellten aller Kirchen aller Art irgendwie vorliegend, weil sie unser ursprüngliches Dasein als Mitschwestern und Mitbrüder im Kindheitsamte fortspinnen und ihr Leben lang treiben.

  So sind alle Würdenträger in ihrem Amt wie ganz große Kinder in ihrem Spiel. Und es ist so eine Ungerechtigkeit, dass sie die Frauen nicht mitspielen lassen. Nach wie vor nicht, wo wir jetzt - nach Madrid - beginnen zu dritt. Wieso, fragt gerade der, der unheiratbar ist, dürfen wir nicht zu dritt in den Hafen der Ehe? Ein Ziel für das nächste Jahrtausend. Und Gerald Grassl, der ausschaut wie ein Stricher in seinem ärmellosen schwarzen Leiberl mit ernstem, rotem Stern, der mit mir im Landwirtschaftsministerium im Speisesaal isst, denn für Arbeitslose gibt's keinen Speisesaal, die müssen bei McDonald's für die selben elendsdürren Kalorien das Siebenfache blechen, dass es scheppert, während sich am Stubenring das Landwirtschaftsministerium, jetzt Lebensministerium, biegt. Und die Kameralistik raunt, Frechheit siegt, jetzt geht er mit seinen Strichern in unser armes Ministerium auch essen, wo die Klos so groß sind und das Essen in unserer Kantine so brillant gut gekocht ist, zu volkstümlichen Preisen. Ja, wenn du schon Monate hindurch nichts Gekochtes in deinem Schlund hast. Du gibst Afrika noch am ehesten was, wenn du dich täglich so saftig im Speisesaal sättigst.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist unter www.falter.at zu abonieren.


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