Keramikkaiser

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 28/05 vom 13.07.2005

Kunsthandwerk Matthias Kaiser ist seit zwanzig Jahren schrullig-sympathischer Töpfermeister. Jetzt zeigt er seine neuen Werke.

Das Leben von Matthias Kaiser, 38, ist geprägt von Zufällen. Zufall eins: Kaiser entdeckt mit 19 seine Leidenschaft für die Töpferei, in New York sieht er in einem Laden einen eckigen Porzellanteller und ist bis in die Grundfesten erschüttert. Zufall zwei: Kaiser gibt sich anschließend seiner Tonleidenschaft hin, er macht eine lange, verworrene Reise und erlernt das Töpferhandwerk von der Pike auf: Japan, Iran, Korea, Indien, Shanghai. Noch eine Zufälligkeit, eine abschließende, eine seltsame: In Grafendorf, Umland von Graz, gibt es tausend Einwohner. Hier wohnt und arbeitet Kaiser in einem 900 Jahre alten Haus. Hier versucht er sich tagaus, tagein am idealen Topf: Mit den Füßen dreht er die Töpferscheibe und formt den Ton. Er schält aus Erdklumpen Teller, Tassen, Teekannen. Eine Woche werden die Kunsthandwerke für den Alltagsgebrauch dann getrocknet. Es folgt der Rohbrand, dann wird glasiert; der Glasurbrand, 1300 Grad, beendet den aufwendigen Arbeitsvorgang. Eine so schöne wie wohl auch ein wenig eintönige Regelmäßigkeit prägt Kaisers Alltag - es gibt kaum mehr professionelle Töpfer in Österreich. In Grafendorf gibt es neben Kaiser aber gleich vier davon, einer heißt sogar Matthias mit Vornamen. Kaiser, schrullig-sympathischer Töpfermeister und Veteran der Koinzidenz, nimmt dies gelassen zur Kenntnis.

Planvoll ist nun einer von Kaisers raren Auftritten in Wien organisiert. Bis zum 16. Juli sind noch rund 250 Einzelstücke aus seiner Keramikwerkstatt zu sehen: Teller, Becher, Vasen, Teekannen, Schalen, aber auch Sparschweine und Aschenbecher. Bei der Arbeit an seinen tönernen Kleinodien überlässt Kaiser übrigens nichts dem Zufall: "Jedes Stück", so sagt er, "soll eine Skulptur sein".

Bis 16.7., 7., Lindengasse 34, tägl. 11-19 Uhr,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige