VOM GRILL

Bettel en gros

Steiermark Stadtleben | aus FALTER 28/05 vom 13.07.2005

Wieder einmal kenne ich mich nicht aus und denke an die Zeit, als man 14 war. Da wusste man alles - über Kunst, Ideologie und Mopeds. Nun druckst man herum wie Pontius Pilatus, jenes weise Wischiwaschi-Waserl aus Joh 18,38: "Was ist Wahrheit?"

  Es geht um Afrika und um gutwillige Partys, die Armen helfen, ohne uns die Laune zu versauen. Geldof ruft, alles kommt, passt. Schön, möchte man meinen, schwebte nicht ein herber Duft von Heuchelei. Und würden nicht Leute, die sich en détail auskennen, meinen, Geldofs Gigs brächten mehr Schaden als Nutzen. Und hätten, ein Beispiel laut Zeit, nach dem Tsunami rabiate Brunnenputzer mehr Brunnen ruiniert als geputzt. Und sagte im Spiegel nicht ein kenianischer Wirtschaftszausel, wir mögen die beleidigende Entwicklungshilfe bitte streichen und Afrikaner nicht als Vollkoffer ansehn, sondern menschmäßig als Menschen und geschäftsmäßig als Konkurrenten? Nur bitte - fair.

  Was also tun? Gilt wenigstens die folgende gute Szene? Pochen nächsten Jänner tapfere siebenjährige Sternsinger an meine Tür, kriegen sie wie üblich fünfzig Euro in die Büchse. Und dann dürfen sie ihre wunden Füße auf der Couch hoch- und die altruistischen Stimmbänder in warmen Tee legen.

  Und noch etwas bleibt gewiss: Wer auf der Gasse gabenlos an einem Bettler vorbeizieht, darf sich einfach nicht lässig vorkommen. Q


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