VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 29/05 vom 20.07.2005

Manchmal ist man froh, dass sich die Welt doch ändert, dass alles anders und besser wird. "Das findet bei uns nicht statt", erklärte der Generalintendant des ORF, als man ihm Zensur vorwarf. Der Fortschritt: heute wirft niemand mehr dem ORF Zensur vor, das ist sinnlos geworden. Damals schrieb Christian Ankowitsch zu diesem Thema: "Die gibt es in dieser klassischen Form wahrscheinlich auch nicht: die Mittel und Wege, unliebsame Sendungen und wache Journalisten unter Kontrolle zu bekommen, sind verschlungener, hintergründiger und - was das Wichtigste ist - effizienter. Bewährt hat sich unter anderem ein Vorgehen, das die Strukturen politisch brisanter Sendungen dahingehend ändert, dass aus der darauf folgenden Eigendynamik ein Effekt entsteht, der einer ,anderen Zensur' gleichkommt.

  Letztes Opfer dieser Änderungen ist die ,Politik am Freitag' des Autorenteams Fischer/Hlavac. In der Sitzung des ORF-Kuratoriums vom 2. Juli wurde nämlich das Jahressendungsschema 1986 beschlossen. (...) Was auf den ersten Blick wie eine Verbesserung aussieht, ist de facto ein Schlag gegen das politisch brisanteste Magazin des Fernsehens. Die von Fischer/Hlavac gepflegte Einrichtung des ,Themas der Woche' wird fallen, die Eigendynamik des neuen Magazins wird dafür sorgen, dass ein ,dynamischer Journalismus', der auf die vordergründige Aktualität des politischen Tagesgeschehens reagiert, sich etabliert. Die ,PaF' war die einzige ,autonome' Magazinsendung der Abteilung aktueller Dienst, die auf stetig zunehmende Zuseherzahlen verweisen konnte (zuletzt sahen die Sendung 400.000 Menschen).

  Der Sendungsverantwortliche Johannes Fischer wurde entmachtet, als einfacher Reporter wird er fortan unter Peter Rabl einen Teil des Inlandsreports gestalten." Der Generalintendant hieß übrigens Gerd Bacher, und die Probleme des "ORF alt" kosten uns heute nicht einmal einen Lacher. A.T.


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