STANDPUNKT

Rückzug und Terror

Politik | aus FALTER 29/05 vom 20.07.2005

Jetzt hat auch Wien seine Islamistendebatte. SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi ist herausgerutscht, dass es auch hier Moscheen gibt, die mit moderaten Muslimen nicht kooperieren. Die Medien machten eine zugespitzte "Hassprediger auch in Wien"-Story daraus. In Wahrheit ziehen immer wieder sogenannte "Wanderprediger" durch und hetzen die zweite Generation auf. Terrorgefahr? Ja, der neue Verfassungsschutzbericht warnt zwar in einem Nebensatz auch vor unwahrscheinlichen Anschlägen. Viel ausführlicher widmen sich die Fahnder aber der Abkehr der Muslime von der westlichen Moderne und ihren pluralistischen Werten. Selbst das Kopftuch wird vom Verfassungsschutz als Symbol des Rückzugs interpretiert. Die Befürchtung: Nicht Terror droht die Gesellschaft hier zu spalten, sondern der Rückzug einer jungen Generation in die stockkonservative und mitunter frauenfeindliche Welt eines archaisch interpretierten Islam. Die islamische Glaubensgemeinschaft reagiert mit besser ausgebildeten Religionslehrern, mit Imam-Konferenzen und politischer Beteiligung. Das ist vorbildhaft in Europa. In Wahrheit wird es wohl auch darum gehen, eine Generation zu erziehen, die selbstständig, modern und kritisch denkt und sich nicht ständig auf Allah und seinen Mohammed beruft. Nein, nicht alle Muslime sind Terroristen. Aber die meisten Terroristen sind heute Muslime. Das muss zu denken geben. F. K.


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