DER GRAF VON LUXEMBURG

Ausnahmsweise unpeinlich

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 29/05 vom 20.07.2005

Überraschung! Beim Klangbogen wurde eine Operette neu inszeniert, und ausnahmsweise ist die Sache nicht peinlich ausgegangen. Zu verdanken ist das vor allem Regisseur Michael Schottenberg. Der neue Direktor des Volkstheaters hat die atemberaubend sinnfreie "Handlung" von Franz Lehárs "Graf von Luxemburg" (1909) fürs Theater an der Wien aus dem Paris der Belle Époque ins Wien der Fünfzigerjahre verlegt und ihr so zumindest Ansätze von Plausibilität verliehen. Auf sonstige Aktualisierungen oder gedankenschwere Thesen wurde dankenswerterweise verzichtet, und so kann das krude Stück um eine fingierte Eheschließung einfach das sein, was es ist: gute, witzige musikalische Unterhaltung.

  Zu der trägt nicht nur das auch darstellerisch hervorragende Sängerensemble bei: Bo Skovhus als stattlicher, vielleicht ein bissl sehr forcierter Graf, Juliane Banse als Starlet Angelika mit Talent zur Ironie, Gabriela Bone als dann doch nicht so naive Tänzerin, Rainer Trost als Kunststudent im Notstand und Andreas Conrad als fulminanter Konsul. Nicht zu knappen Schwung liefern Alfred Eschwé und das RSO Wien. Der Clou der Inszenierung aber sind einige kleine Sprechrollen (u.a. für Karl F. Kratzl und Gernot Kranner), mit denen Schottenberg dem Abend in der liebevoll detailreichen Ausstattung von Hans Kudlich den letzten schauspielerischen Kick gibt. Macht Spaß!

Weitere Aufführungen: am 22., 27. und 30.7. sowie am 2. und 6.8. im Theater an der Wien. Karten: www.klangbogen.at oder Tel. 588 85.


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