Fragen Sie Frau Andrea

Pornohaxen

Stadtleben | aus FALTER 29/05 vom 20.07.2005

Liebe Frau Andrea, als ich noch in die Mittelschule ging, in die Astgasse im 14., traf man sich regelmäßig in der Wohnung eines Schulkollegen (dessen Eltern gerade nicht da waren), um einen sogenannten "Haxen" anzuschauen. Vorher, währenddessen und danach gab es "Häuslverbot", sodass wir "Deep Throat" und anderes Pornoanschauungsmaterial mit kollektivem Zelt in der Hose absolvieren mussten. Warum heißt in Wien ein Pornofilm Haxen?

Vielen Dank, Stefan Schremser, Lerchenfelder Straße

Lieber Stefan, "Haxen" ist die Kurzform von "Pornohaxen" und heißt außerhalb Wiens "Pornoschinken". Obwohl sich Pornofilme ausgiebig der Darstellung wollüstigen Fleisches widmen, hat der Ausdruck nichts mit dem Genre zu tun. Mit Schinken bezeichnet man zwar gerne Filme epischen Formats, das Synonym war aber lange vor der Erfindung laufender Bilder in Gebrauch. Seit Jahrhunderten bezeichnen Scholare, Studenten und andere Bücherwürmer dicke, einst durchgängig in Leder oder Pergament gebundene Bücher mit dem Ausdruck "Schinken" oder "Schwarte". Das Wort Schinken selbst ist mit dem "Schenkel" verwandt und bezeichnet den gebratenen, gesottenen, geräucherten oder rohen Oberschenkel von Rind, Schwein und anderen essbaren Tieren. Der Haxen wiederum ist der Unterschenkel und naturgemäß etwas kleiner. Da die Würze eines gelungenen Pornofilms eher in der Kürze liegt, ist "Haxen" sicher keine schlechte Wortwahl.

dusl@falter.at


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