VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 30/05 vom 27.07.2005

"Ich sehe darin etwas Positives, wenn zwar der Autor nicht umhin kann, sich dem 60. Geburtstag zu nähern, aber sein Publikum nicht in derselben Weise gealtert ist." Genau, vor zwanzig Jahren war Ernst Jandl sechzig Jahre alt, das heißt, wir müssen noch zwanzig Jahre warten, bis das Datum wichtig wird. 1985 machte der Schriftsteller Herbert J. Wimmer mit dem Dichter für den Falter ein Interview, in dem dieser über seine sozialpolitischen Anliegen, Literatur und Autoren betreffend, sprach und auch seine Anfänge schilderte, vor allem die Schwierigkeiten, einen Verlag zu finden.

  "Mein Weg zum Luchterhand Verlag hat mich mit der dort mächtigen Lektorin Elisabeth Borchers zusammengebracht, die bei einem Blick auf mein Manuskript "Laut und Luise" sofort sagen konnte, dass es für den Luchterhand Verlag nicht geeignet sei, die mich aber eben durch diesen Blick an Reinhard Döhl in Stuttgart verwiesen hat." Jandl kam in einem Almanach Döhls unter.

  "Dieses Erscheinen hat eine gewisse Resonanz bei der Kritik gehabt und hat noch im Herbst 1963 zu zwei Lesungen in der Buchhandlung Niedlich in Stuttgart geführt. Durch diese Lesungen kam ich in Kontakt mit Max Bense und Helmut Heissenbüttel, dieser war es ja dann, der ,Laut und Luise' an den Walter Verlag in der Schweiz brachte." Der Aufsichtsrat mochte Jandls Buch nicht, Otto F. Walter musste den Walter Verlag verlassen. Er ging als Verlagsleiter zu Luchterhand und nahm fast alle seine Autoren mit. Die Wege der Literatur sind verschlungen! A. T.


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