Sterben, um zu siegen

  Ein ungerechter Vergleich? Selbst die schlimmsten linken Terroranschläge von damals zielten doch nie auf Blutbäder ab? Gewiss, der Analogie sind Grenzen gesetzt. Der rechte Terror Italiens aber, gefördert von Geheimdienstfraktionen unter einer christlichsozialen Regierung, war von solchen Rücksichtsnahmen unbelastet. Ohne mit der Wimper zu zucken, opferten neofaschistische Killer 1980 in Bologna 85 Menschenleben. Europa soll also nicht so tun, als müsse Gewaltbereitschaft zwangsweise einer islamisch-fundamentalistischen Ideologie zu tun haben. Selbst das schockierende Verständnis für Anschläge, das aus manchen Gebetshäusern zu hören ist, erinnert an die "klammheimliche Freude" in Teilen des linken Milieus nach der Ermordung des deutschen Bundesgeneralanwalts Siegfried Buback 1977.

Vorwort | RAIMUND LÖW | aus FALTER 30/05 vom 27.07.2005

AUSLAND RAF, italienische Rechte der Achtzigerjahre und islamistische Selbstmordattentäter: Kein Terror ist wie der andere. 

Als die Gründergeneration der Roten Armee Fraktion im Deutschland der Sechzigerjahre ihre ersten Anschläge plante, gab es gute Gründe für die Radikalisierung der Jugend gegen das heimische verkrustete System. Die vermeintliche Legitimation zur Gewalt bezogen Ulrike Meinhof und Andreas Baader jedoch aus dem weit entfernten Vietnamkrieg. Die Wahnvorstellung von einer "zweiten Guerillafront gegen den US-Imperialismus" war überall in Europa bei der Entstehung linker Terrorgruppen Pate gestanden. Ein Mechanismus wie in den Jugendzentren der Sechziger- und Siebzigerjahre dürfte sich heute in europäischen Moscheen vollziehen: Aus dem Reservoir radikalisierter Jugendlicher rekrutieren kampferprobte Veteranen Kommandos, die bereit sind, ihr Leben für den Kampf in Palästina und im Irak zu geben. So ähnlich funktionierte auch die Wiederauferstehung der RAF oder der


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