STANDPUNKT

Offener Dialog

Politik | aus FALTER 30/05 vom 27.07.2005

Vergangene Woche veröffentlichte Die Presse auf ihrer Titelseite ein Interview mit einem fundamentalistischen Prediger. Auch der ORF berichtete über einen Scheich, der so gar nichts mit Demokratie anfangen kann. Die islamische Glaubensgemeinschaft, die sich oft vorbildlich um die Integration der Muslime bemüht, beklagt nun, es habe eine Hetzjagd gegen Wiens Muslime eingesetzt. Das wäre tragisch, aber es scheint übertrieben. Muslimische Funktionäre erleben nur das, was sie stets einforderten - einen wirklich offenen Dialog. Und auf der Suche nach konservativen Muslimen drängen Journalisten eben seit Tagen auf die Adressen jener Moscheen, in denen angeblich verfassungsfeindliches Zeug gepredigt wird. Die Glaubensgemeinschaft wollte die Adressen nicht rausrücken, weil sie einerseits Werbung für fundamentalistische Einzelgänger, andererseits Anschläge von Rechtsextremisten befürchtete. Beklagen dürfen sich die muslimischen Funktionäre über die Neugier und Kritik indes nicht. Wer aufmerksam Wiens türkische Zeitungen liest, findet immer wieder einschlägige Kolumnen, die Parallelgesellschaft und Scharia beschwören und gegen Aufklärung und Moderne wettern. Wenn es erlaubt ist, Fundamentalisten wie Krenn & Groër in der Kirche scharf zu kritisieren, dann muss das auch bei stockkonservativen Predigern gestattet sein. Sonst wär's kein offener Dialog. F. K.


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