Schüler des Gespenstes

CARSTEN FASTNER | Kultur | aus FALTER 30/05 vom 27.07.2005

MUSIK Bewegtes Leben, bewegende Musik: Zum 100. Geburtstag des Komponisten Karl Amadeus Hartmann ist eine Werkbiografie erschienen. 

Im November 1942 besuchen Anton Webern und sein Privatschüler anlässlich eines Musikfestes die Wiener Staatsoper. Viel Prominenz und Kollegenschaft sind anwesend, Reichsstatthalter Baldur von Schirach bittet zum Empfang - Webern, der "Entartete", wird ignoriert. "Stell dir einmal vor, ein zeitgenössisches Musikfest in Wien ohne Schönberg, Berg und Webern", berichtet der Schüler in einem Brief an seine Frau. "Eine Veranstaltung, in der Webern leibhaftig, doch wie ein Gespenst umgeht, das keiner sieht und keiner kennt."

  Der damals 37-jährige Webern-Schüler war Karl Amadeus Hartmann. Mitten im Krieg war der bayerische Komponist nach Maria Enzersdorf gekommen, um bei dem verfemten Protagonisten der Zweiten Wiener Schule Privatstunden zu nehmen. Von der Zwölftontechnik lässt sich der selbst als "entartet" eingestufte Hartmann dabei nicht beeinflussen.

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